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Über einen Tag in Lomé

spannende Tiere, die Musik, das Kochen, der Togo-Gin, viele Kinder, das Tanzen, die Jambé, ein Wörterbuch = das LEBEN zur Zeit in Togo



Fünf Uhr. Ein Hahn vor unserem Fenster fängt an zu krähen. Man dreht sich nochmal rum, versucht weiter zu schlafen.
Halb sechs, der Hahn meldet sich erneut und man nimmt ein leises Tapsen auf dem Wellblechdach war, vermutlich der Gecko der dort frühmorgens gern herumspaziert. Schließlich, meist um sieben, wird man dann ganz wach. Kurz nach dem Aufwachen muss ich mich immer nochmal neu orientieren und realisiere erst nach einigen Sekunden, dass ich ja hier in Lomé/Togo bin, einem Land in dem alles so anders scheint bzw. eben auch ist. Ich denke das liegt daran, dass ich in letzter Zeit nachts immer sehr lebendige, mir echt erscheinende Träume habe, sodass ich mir morgens dann bewusst werden muss, was eigentlich Sache ist. :D In manchen Momenten kommt es einem gar nicht so vor, dass man hier wirklich ein ganzes Jahr verbringen wird. Ein ganzes Jahr - erscheint auf lange Sicht ja eher kurz, aber in dem Moment sind 365 Tage dann doch eine recht lange Zeit. Aber ich freu mich darauf!
Naja wo war ich stehen geblieben :D Ahja nachdem man dann so langsam aus dem Moskitonetz gekrabbelt ist und die morgendliche Müdigkeit nach der Dusche (welche aus einem Wassereimer und einem kleinen Raum besteht) allmählich verschwindet, fängt man an sich auf den Tag zu freuen. Bei einem schönen Frühstück mit Baguette, Butter, Majo, einem heißen Tee oder Kaffee und nem netten Gespräch fängt der Tag auf jeden Fall schon immer gut an! :) Und auch mit meinen drei Mitfreiwilligen verstehe ich mich immer besser, worüber ich mich sehr freue. Wir werden ein gutes Team abgeben! ;)
An manchen Tagen geht's dann schon mal direkt nach dem Frühstück los, um irgendwelche Besorgungen zu machen, wie zum Beispiel in ein Internetcafé zu gehen, auf dem Markt etwas einzukaufen, auf der Bank Geld abzuholen oder andere organisatorische Dinge. Bei dem Geldabheben gibt es bei mir im Moment leider ein paar Probleme, was zwischenzeitlich echt stressig ist. :( Doch ich bin da bis jetzt noch ganz optimistisch eingestellt und auch die JSA, welche wir monatlich bezahlen müssen, macht da zum Glück kein Stress.
Generell ist der Satz, den man hier am häufigsten hört: "On va voir" (Wir werden sehen). Ich habe den Eindruck, die Menschen gehen hier, im Vergleich zu Deutschland, viel ruhiger und stressfreier mit den Dingen um. Eben nach dem Motto: "Wir werden sehen". Das erleichtert vieles! Man fühlt sich verstanden und gut aufgehoben!

Sehr viel haben wir den Tag über nicht zu tun, wodurch unter Umständen auch mal Langeweile aufkommen kann. Jedoch wissen wir diese auch oft zu vertreiben, indem wir uns irgendein Quatsch überlegen und zum Beispiel auf der Jambé trommeln, tanzen und das dann filmen. :D Ab nächster Woche werden wir dann doch etwas zu tun haben, da wir einen Ewé-Sprachkurs bekommen. Ewé ist eine afrikanische Sprache, die hier in der Gegend gesprochen wird. Sie hört sich im Vergleich zum Französischen noch sehr viel weicher und geschwungener an. Sie enthält sehr viele Vokale und Laute.
Die Zeit vergeht hier gefühlt schnell rum, sodass es dann auch schon wieder ein Uhr mittags ist und sich der Bauch allmählich meldet. :P Dann kochen wir meist zusammen mit Eddy, zu Hause, auf einem Gaskocher oder mit Enos in seinem Fastfood-Restaurant. Es gibt dann oft Reis (riz), Nudeln (Pâte), Couscous, Jamwurzeln oder Pommes, häufig mit einer Tomatensauce. Oft werden auch Peperoni mit dazugegeben. Gestern hab ich zum ersten Mal Zuckerrohr gegessen - sehr süß, aber lecker!
Mit dem Essen wurden wir hier bis jetzt auch echt verwöhnt, da es zweimal täglich was Warmes gibt! :) :) :)
Gestern haben wir allein, ohne Hilfe, Jamwurzeln mit einer Sauce zubereitet - und es hat auch gut geschmeckt!
Zum Essen wird dann immer Togo-Gin getrunken, ein Schnaps, der ziemlich in der Kehle brennt. Ich hätte nicht gedacht, dass man hier in Togo so viel Alkohol trinken wird und da ich es von zu Hause nicht gewohnt bin in so regelmäßigen Abständen Hochprozentiges zu trinken muss sich meine Leber auch daran erstmal gewöhnen.:D Wenn das so weiter geht kann mich in einem Jahr keiner mehr so schnell unter den Tisch trinken. ;)
Sobald es abends dunkel wird, meist so gegen sechs Uhr, wird man dann auch schon wieder so langsam müde. Da direkt neben uns eine Bar ist, erklingt die Musik bis zu uns. Jedoch werden immer nur so circa 10 Lieder abgespielt, die sich dann wie in einer Art Warteschleife wiederholen. Auf Dauer kann das ein bisschen nervig sein - aber mir gefällt die Musik! Nossa zum Beispiel ist hier ein großer Hit.
Oft sind wir abends dann nochmal schnell rüber und haben dazu mit den Kindern getanzt. Das Tanzen der Menschen hier beeindruckt mich sowieso sehr. Gestern hat Enos in seinem Restaurant eine kleine Party veranstaltet und es wurde nach einiger Zeit zu afrikanischem House getanzt. Dabei merkt man dann schon den Unterschied zu einer deutschen Tanzparty. :b Bis jetzt noch keinen gesehen der nicht tanzen konnte... Jeder hat diesen Rhythmus im Blut und tanzt dementsprechend gut.
Jeder Tag, den wir zurzeit erleben ist für uns ein Tag, ohne Malaria bekommen zu haben, da die Inkubationszeit von sieben Tagen überschritten ist. Und somit wird ab jetzt jeder Tag gefeiert! :P
Bis man dann, meist schon um acht Uhr, ins Bettchen fällt, was in Deutschland unvorstellbar wäre. Mais, c'est l'Afrique!



Bis bald,
Eure Maren


- MarenW 2013-09-09

Kommentare



Hej Maren!
Kulturschock?? Davon keine Spur bei dir!
Du passt ja perfekt in das andauernd tanzende Volk :) ich hoffe du wirst noch ganz viel Spaß haben.
Das aufregende Jahr im Kongo wird dich charakterlich nur noch mehr stärken. Ich freue mich schon auf die "neue" Maren.
Alles guteeee
Deine kada :*


- Kada
2013-09-22 00:23:42

Liebe Maren, deine Berichte lesen sich echt super!
Wir fühlen uns,als wären wir dabei gewesen !Und du bist somit ein Stückchen bei uns.
Wir vermissen dich <3
Wir wünschen dir noch viele schöne Erlebnisse!


- Mama,Caro,Kira
2013-09-11 20:09:53

Neuer Kommentar
hi maren, schön, dass du gut angekommem bist!! von cord hörte ich schon von dem chaos am flughafen. bei deinen bildern fühl ich afrika gleich sehr nahe wie ich es selber bei meinen besuchen von gesa in ghana und dieses jahr in uganda erlebt habe. ja, so ist afrika.gesa ist gerade hier in bremen und kriegt fernweh bei deinen bildern. ganz liebe grüsse von anne aus bremen und gesa


- anne wallheinke
2013-09-10 16:46:54