Login

Ein Herz fĂŒr DjĂ©ko



Schon ist es soweit und meine letzte Woche in Djeko ist fast angebrochen. Grad sitz ich hier unter unserem Palmenvordach auf dem Hof und mir fĂ€llt auf, dass ich das hier alles echt ganz schön vermissen werde... die Arbeit, die entspannten Nachmittage, das Wasserholen, die einfachsten Angewohnheiten, Freitage in Vogan, das Zusammenleben zu dritt, die Dorfbewohner, die immer herzlich zu uns waren und auch durchaus sehr originell, unsere quasi zweite Familie nebenan und natĂŒrlich ganz besonders die Kinder, die man schon so ins Herz geschlossen hat. Ja, es wird einem viel fehlen doch es geht und muss (so wie es eben immer ist) weitergehen und fĂŒr mich wird das hier schon der erste, kleine Abschluss sein.



Doch vorher gibt es noch ein bisschen was zu berichten. Zum Beispiel von dem letzten Projekt, was wir hier noch organisieren konnten. Dank einiger Spendengelder haben wir fĂŒr jedes Kind ein Tischchen mit StĂŒhlchen anfertigen lassen, sodass das Platzproblem im Kindergarten nun aufgehoben ist. Von dem gesammelten Geld konnten wir 35 StĂŒhlchen mit Tischchen (1 Stuhl plus Tisch kostete umgerechnet 10€) besorgen und das reicht fĂŒr den Kindergarten auch vollkommen aus, da wir immer so um die 30 Kinder haben. Wir waren mit dem Endergebnis wirklich zufrieden, da sehr hartes, zusammengepresstes Holz verwendet wurde und der Tischler in Vogan gute Arbeit geleistet hat! ZunĂ€chst waren wir etwas besorgt, ob das mit dem Hin-und-her-transportieren klappen wird, da die neuen Tische und StĂŒhle deutlich schwerer sind als die Alten und auch die jetzige Anzahl, die Damalige logischerweise ĂŒbersteigt. Doch nach einer kleinen Eingewöhnung und dadurch, dass wir jetzt selbst auch mehrmals gehen (nebenbei gesagt von der Bibliothek bis zum Kindergarten sind es circa 30 Meter), lĂ€uft es auch gut. Es ist zwar jetzt morgens immer nochmal mehr Arbeit, aber die nimmt man fĂŒr ausreichende Sitzmöglichkeiten gerne in Kauf.
Auch die Kinder haben sich tierisch ĂŒber die neuen StĂŒhlchen und Tischchen gefreut.




Hier kommen nochmal ein paar Bilder von den Kindern und unserer Arbeit.





Wir machen am Tag freizeit-, sowie arbeitsmĂ€ĂŸig nicht unbedingt viel, zumindest nicht im Vergleich zu meinem Leben vor Togo. Und auch, wenn sich viele Tage Ă€hneln, so hat doch jeder Tag etwas Besonderes an sich. Ich wĂŒrde sagen, genau das macht die Zeit hier in Togo mitunter so schön! Ich merke, wie ich mich ĂŒber die kleinsten Dinge freuen kann, sei es das Wasserholen, WĂ€sche waschen oder auch neu erlernte Französischvokabeln. Es fĂ€llt mir immer wieder auf, wie man noch in Deutschland gelebt hat, ohne einige, kleine Dinge ĂŒberhaupt wahrzunehmen oder wertzuschĂ€tzen.

Wenn ich so durchs Dorf laufe bin ich oft immer noch fasziniert...
Man braucht einfach nicht viel um doch so ein schönes Leben zu haben. Und alles kommt mir so viel freundlicher und herzlicher vor. Noch in Deutschland hĂ€tte ich mir das fĂŒr mich persönlich nie so vorstellen können. Wir machen am Tag wie gesagt nicht viel, leben in keinem hohen Lebensstandard, ohne Strom, fließend Wasser und ohne so manche LuxusgĂŒter, die das Leben aus unserer Sicht als EuropĂ€er, erleichtert.
Ich habe die Erfahrung gemacht und machen dĂŒrfen ohne diesen ganzen Quatsch, den wir uns da oben im Norden so ausdenken, zu leben. Wenn man sich das so ĂŒberlegt, legt man doch viel zu viel Wert auf Materielles. Ich zumindest habe es in Deutschland noch so gemacht.
Unsere Generation ist damit aufgewachsen und wir stufen diese Dinge dann fĂŒr uns, fĂŒr unser Leben als notwendig und im Grunde genommen als unverzichtbar ein. Und warum auch darauf verzichten, wenn man es haben kann und wenn man es gar nicht anders kennt oder gewohnt ist. Und so ist der Mensch. Er strebt immer weiter und weiter nach Fortschritt, nach etwas Besserem und Neuerem.

Bei den jungen Leuten hier sieht man wie sie sich, angefangen mit irgendwelchen gefakten Markenklamotten, sehr westlich orientieren und nach diesem Standard hin streben.
Irgendwie macht mich das traurig. Viele haben von Europa ein beinah paradiesisches Bild. Europa, das heißt automatisch Reichtum, einen hohen Lebensstandard und sowieso ist dort ja alles viel besser. StĂ€ndig wird man gefragt ob man einen nicht wieder mit zurĂŒcknehmen kann. Schwer ist es zu erklĂ€ren, dass dort im Norden dann aber auch nicht alles ganz so rosig ist, wie es fĂŒr die Menschen hier so scheint. Besonders, wenn man als Afrikaner versucht in Europa Fuß zu fassen. FĂŒr viele geht das ja nicht unbedingt gut aus. Ja, es gibt schon viele ungerechte Sachen in dieser Welt. Mir fĂ€llt immer wieder auf, auf welcher Seite man selbst dabei steht. Wie privilegiert man selbst gegenĂŒber den Togolesen ist. Man besitzt im Grunde genommen schon als ein so junger Mensch, so viel, ohne auch nur ein bisschen dafĂŒr gearbeitet zu haben. Schon allein, dass wir diesen Freiwilligendienst machen und machen können zeigt das ja.

Nochmal kurz zurĂŒck zu uns in den Norden und zu unserem stĂ€ndigen Streben nach dem Besseren. Ich glaube, wir oder auch die Menschheit an sich kann nie zufrieden sein, mit dem, was sie gerade im Moment hat. Und das ist eigentlich ganz schön traurig. Wir erstellen uns eine Welt, eine hochtechnisierte und hochfortschrittliche Welt, die unser Leben erleichtert, bequemer und in unseren Augen "schöner" macht. Merken aber gar nicht wie viel wir damit kaputt machen. Ich fĂŒr mich habe festgestellt, dass man diesen ganzen Kram gar nicht braucht und das meiste einfach ĂŒberflĂŒssig ist und eher noch Probleme macht, die wir selbst aber gar nicht so sehen oder sehen können.

Ich möchte nicht sagen, dass es durch und durch schlecht ist, nach Fortschritt zu streben. Bei der medizinischen Versorgung und allgemein in diesem Bereich ist es wichtig und sehr sinnvoll immer weiter zu forschen, neue und bessere Methoden herauszufinden und das Alte immer wieder zu ĂŒberdenken. Und so wurden in unserer Welt ja auch schon viele Krankheiten besiegt.
Vor einiger Zeit ist ein kleiner Junge aus einem Nachbarsdorf, der letztes Jahr noch in den Kindergarten der JSA gegangen ist, an Malaria gestorben, da die Eltern aus GeldgrĂŒnden nicht rechtzeitig zum Arzt gegangen sind, beziehungsweise nicht gehen konnten. Das war schon hart fĂŒr uns zu hören.
Und ich glaube das ist eins der grĂ¶ĂŸten Probleme. Medikamente oder an sich Arztbesuche sind im Vergleich zu allem anderen so unglaublich teuer und fĂŒr einen einfachen Dorfbewohner kaum erschwinglich. Und dabei ist das mit oder auch das Wichtigste im Leben, sich eine gute medizinische Versorgung leisten zu können und dies aber auch zu wollen. Durch den Voodoo Glauben oder auch durch andere Glaubensrichtungen wird auch erst viel mit der Kraft des Glaubens zu heilen versucht. Ich möchte nicht werten und niemandem zu nahe treten, doch bei einer Krankheit wie Malaria, an der so viele Menschen in Afrika noch sterben, sind gute Medikamente dringend notwendig.
Hier in DjĂ©kotoĂ© ist die Anbindung zu einem Arzt auch glĂŒcklicherweise noch ziemlich gut. Klologo, das nĂ€chstgrĂ¶ĂŸere Dorf, ist mit dem Motorrad circa 10 Minuten von uns entfernt. Der Mangel an Ärzten und die ungleichmĂ€ĂŸige Verteilung dieser auf das Land kommt natĂŒrlich auch nochmal erschwerend dazu... Doch das ist jetzt alles nochmal ein anderes Thema.

Wenn ich so auf die sechs Monate zurĂŒckblicke, die ich hier in DjĂ©ko verbracht habe, fĂ€llt mir auf wie viel mich dieses Dorf, diese Menschen und dieses Leben hier gelehrt haben.
Es war bei Weitem nicht immer einfach, so darf man sich das nicht vorstellen. Und so manche Tiefpunkte, zum Teil durch Krankheiten, hat man erlebt. Doch das hat einen doch nur stĂ€rker gemacht und am Ende ist dieses kleine, fĂŒr mich magische Dorf zu einem richtigen zu Hause geworden, was ich nun leider, schweren Herzens hinter mir lassen muss, aber fĂŒr mein Leben immer in Erinnerung behalten werde!



So das war jetzt nun wirklich nochmal eine schöne LiebeserklĂ€rung fĂŒr den Schluss, oder? :D Jetzt geht es weiter, im Moment sind Osterferien und morgen geht es ĂŒber in die nĂ€chste Reise, dieses Mal durchs eigene Land. :) Also ihr hört von mir,

eure Maren


- MarenW 2014-04-20

Kommentare



Neuer Kommentar
Liebe Maren,
Dein Bericht hat mich sehr ergriffen und nachdenklich gemacht.
Ein bisschen können wir durch Deine Zeilen
an deinen Erlebnissen teil haben.
Danke ! Ganz liebe GrĂŒĂŸe
Deine Silvia


- Silvia Sander-Carle
2014-04-26 14:28:06

Liebe Maren, berĂŒhrend deine Zeilen! Liebe GrĂŒĂŸe! Roselind


- Roselind
2014-04-24 21:12:48

Liebe Maren,
Das hast du so schön geschrieben,daß ich deinen Abschiedsschmerz auch gespĂŒrt habe. Ich musste fast weinen.
Alles liebe deine Mama




- Sabine
2014-04-23 15:58:20